Feiert Frei*burg
*Kampagne gegen Homophobie, Transphobie und Sexismus im Freiburger Nachtleben*

Durch die Nacht fluten, um die Häuser ziehen, in Bars flirten, den Kopf und das Herz frei tanzen, Spaß haben mit alten oder neuen Freund*innen, Menschen kennenlernen, …
Ausgelassen feiern, sich unbeschwert durch die Clubs und Bars bewegen, einfach Menschen ansprechen, die man toll findet …
Für viele Leute in Freiburg ist das nicht möglich. Als ob es nicht ohnehin schon für viele eine Überwindung wäre/darstellt einem anderen Menschen zu sagen, dass man ihn*sie gut findet oder vielleicht sogar mehr als gut. Doch Homophobie macht es schwierig bis unmöglich auf Partys die nicht explizit als GAY oder PROHOMO gelabelt sind anderen Menschen zu offenbaren, dass man sie interessant und vielleicht etwas toller findet.
Von Ignoranz über offene Ablehnung, blöde Sprüche, Beschimpfungen bis hin zu körperlicher Gewalt reichen die Antworten.
Ich find´ dich toll; wird so oft zu einem unmöglichen Satz.
Für Transsexuelle, Transgender oder Intersexuelle ist es in vielen Situationen noch schwieriger Gefühle für andere Menschen im öffentlichen Raum zu artikulieren.
Homo- und Transphobie ist aber nicht erst dann ein Thema, wenn es um konkrete Kontaktaufnahme geht. Blöde Kommentare zur Kleidung, dem Tanzstil oder der Art zu sprechen sind gängig. Gerade Dragqueens*kings stoßen mit ihrem Aussehen oft auf Ignoranz und Anfeindungen. Beleidigungen über Gewaltandrohung bis hin zu direkter körperlicher Gewalt sind Erfahrungen die zum Nachtleben Homo-, Bi- und Transsexueller gehören.
Die Kampagne möchte diese unerträglichen Zustände beenden.
Es geht darum Bewusstsein über die Phänomene Homo- und Transphobie und (Hetero-) Sexismus herzustellen. Für gegenseitige Achtsamkeit und Respekt. Es geht darum, dass alle Menschen egal welcher biologischen oder sexuellen Ausrichtung angstfrei zusammen feiern können.

Was hat Homo- und Transphobie mit Sexismus zu tun?
Die Ausgrenzung bzw. Diskriminierung Homo- und Transsexueller geht auf ähnliche Gedankenstrukturen zurück wie Sexismus. Sprüche wie „Scheiß Schwuchtel“ oder „Hey Lady zeig deine Titten“ gehen auf die gleichen Mackerstrukturen bzw. Machoverhalten zurück.
Ob Schwule verprügelt werden wenn sie sich in der Öffentlichkeit küssen, Lesben die händchenhaltend mit Pfiffen belegt werden oder Frauen im Vorbeigehen an den Hintern gefasst wird. Genug ist genug. Übergriffiges Verhalten hat keine Legitimation!

Egal wo du hingehst,
egal wie du dich kleidest,
egal wie oder mit wem du tanzt,
egal mit wem du flirtest oder wen du küsst.

Kein Mensch hat das Recht dich zu beleidigen und schon überhaupt nicht dich anzufassen oder in irgendeiner Art übergriffig zu werden.

Die Kampagne setzt an verschiedenen Punkten an:

1. Lokalitäten des Nachtlebens:
Betreiber*innen von Clubs und Bars beteiligen sich aktiv indem sie sowohl Theken- und Türpersonal als auch Security anhalten wachsam zu sein und öffentlich übergriffigem Verhalten nachzugehen. Die Angestellten werden zudem unterwiesen bei gemeldeten Übergriffen zu reagieren und übergriffige Personen zu entfernen bzw. mit Hausverboten zu belegen. Zudem soll in den Hausordnungen der Lokalitäten explizit homophobes, transphobes und sexistisches Verhalten als Rauswurfgrund fixiert werden. Menschen die an diesen Orten feiern, wissen, dass sie sich wohlfühlen und angstfrei feiern können.

2. Zivilcourage im Nachtleben:
Wenn du übergriffiges Verhalten beobachtest bzw. bemerkst, dass Menschen Hilfe brauchen dann greife ein. Beobachte die Situation, frage nach ob die vermeintlich betroffene Person Hilfe benötigt. Wenn ja, mische dich ein bzw. hole Hilfe hinzu wenn du dich der Situation alleine nicht gewachsen fühlst. Eingreifen kann verbal oder körperlich geschehen. Achte selbst bitte auf die Verhältnismäßigkeit. Wichtig ist in keinem Fall wegzuschauen. Alleine schon deine Aufmerksamkeit kann sexistische bzw. homphobe oder transphobe Gewalt verhindern.

3. Emanzipation:
Wehre dich selbst. Du musst dich von keinem Menschen beleidigen oder anfassen lassen. Kurse für Selbstverteidigung oder Kampfsport können dir dabei helfen. Der Mensch der am besten beurteilen kann ob dir das Verhalten anderer unangenehm ist bist du selbst. Deshalb entscheide auch selbst wie weit du das Verhalten anderer mittragen kannst bzw. willst und kommuniziere das. JA heißt JA und NEIN heißt NEIN. Teile Menschen mit was du willst. Wenn du Hilfe brauchst, hole sie dir. Achte immer auf deine eigenen Grenzen und die anderer.

4. Beteiligung:
Teile deine Erlebnisse! Bei Vorkommnissen im Freiburger Nachtleben, die dir positiv oder negativ in Erinnerung sind oder deine Grenze überschritten haben, kannst Du uns das per facebook oder Email ANONYM mitteilen. Wir veröffentlichen deine Geschichte, um die Sensibilität für das Thema zu erhöhen.

Die Kampagne hat nicht die Absicht der Prüderie Vorschub zu leisten. Das Gegenteil ist der Fall. Wir wollen, dass alles geht; aber eben nur einvernehmlich. Erkenne deine eigenen Grenzen und die anderer.

Beteiligt euch an der Kampagne gegen Homophobie, Transphobie und Sexismus im Freiburger Nachtleben.

Wegschauen ist nicht!

Keine Party für Homophobe, Transphobe und Sexist*innen! Dafür aber für alle anderen Menschen umso mehr und zusammen!!!